Wähle bei Lawinenwarnstufe den passenden Hang

Je nach Hangneigung und Lawinenstufe die passende Tour aussuchen | SnowHow
Je nach Hangneigung und Lawinenstufe die passende Tour aussuchen

Von allen Gefahren am Berg wird die Lawinengefahr noch immer als eine der bedrohlichsten und geheimnisumwittertsten gesehen. Setzt man jedoch die Anzahl der Wintersportler abseits der gesicherten Pisten in ein Verhältnis mit den Unfallzahlen, ergibt sich ein weitaus besseres Bild. Selbstverständlich ist die Gesamtzahl der Geländebegehungen abseits der gesicherten Pisten schwer zu messen, da sich Freerider und Tourengeher nirgends registrieren, wenn sie unterwegs sind. Seriöse Schätzungen auf Grundlage von Verkaufszahlen des Handels und Lifttickets in Skigebieten sowie Beobachtungen ergeben mehrere hunderttausend Wintersportler, die sich in Österreich jeden Winter abseits der gesicherten Pisten im hochalpinen und lawinengefährdeten Gelände bewegen.

Im Beobachtungszeitraum der Wintersaisonen 1998/99 bis zum Winter 2017/18 zeigt die Unfallstatistik des Kuratoriums für alpine Sicherheit ein Maximum vom 47 Toten durch Lawinen in ganz Österreich (Winter 1998/99). Das Minimum aus dem Winter 2010/11 zeigt drei Lawinentote. Mit eingerechnet sind dabei Tote von Katastrophenereignissen, wie zum Beispiel die Verschüttung und Zerstörung ganzer Siedlungen.

Das Umdenken in der Lawinenkunde

Was hat das nun alles mit der Überschrift „Hangneigungsverzicht nach Lawinenwarnstufe“ zu tun? Ungefähr Anfang/Mitte der 90er-Jahre vollzog sich der vorerst größte Paradigmenwechsel in der Lawinenkunde. Anstatt weiterhin analytisch zu arbeiten, schob man die komplexe Untersuchung von sogenannten Schneeprofilen und die Schlussfolgerung auf die auf die Stabilität der Schneedecke beiseite. Der Schweizer Bergführer und Lawinenexperte Werner Munter verfolgte den grandiosen Ansatz, strategisch zu arbeiten und nach Unfallmustern zu suchen. Neben einigen anderen Faktoren fand er beim Studium von Unfallberichten heraus, dass ein Zusammenhang zwischen Hangneigung und Lawinenwarnstufe besteht. Als Konzentrat seiner langjährigen Arbeit entstand die Elementare Reduktionsmethode.

So funktioniert die Elementare Reduktionsmethode

Die Entscheidungshilfe bei Lawinenwarnstufe | SnowHow
Die Entscheidungshilfe bei Lawinenwarnstufe

Je höher die Lawinenwarnstufe, desto weniger steil soll das gewählte Gelände sein. Dabei kann man mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass unter einer Hangneigung von 30° keine Lawinen auszulösen sind. Bei Lawinenwarnstufe 2 ist eine Auslösung im Hangneigungsbereich bis 40° statistisch eher unwahrscheinlich, bei Lawinenwarnstufe 3 bringt ein Verzicht auf Hangneigungen bis 35° ein hohes Maß an Risikoreduktion. Gilt die Lawinenwarnstufe 4 und 5, werden Aktivitäten abseits der gesicherten Pisten am besten vermieden. Und bei Lawinenwarnstufe 1 besteht hauptsächlich die Gefahr eines Absturzes, da bei solch sicheren Verhältnissen oft sehr steiles Gelände mit harter Schneedecke befahren wird.

Seit Verwendung dieser Entscheidungsstrategie haben sich die Unfallzahlen drastisch reduziert. Und letztendlich zählt nicht die Statistik, sondern das Einzelschicksal. Auch, wenn es nur relativ wenige Unfalltote durch Lawinen gibt, will man selbst nicht dabei sein.

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